Meixner H. / 1959

  Über das Wahrscheinliche Auftreten von Cordierit und Sillimanit im Granit von Wernberg bei Villach, Kärnten.

Von Heinz MEIXNER, Knappenberg
(Lagerstättenuntersuchung der Oesterr. Alpinen Montanges.

Cordierit Mg2[6] Al3[4][AlSi5O18]•H2O, rhomb. / und Sillimanit / ∞1Al[6][Al[4]Si[4]AlO5), rhomb. / sind aus Kärnten bisher nur selten, und da meist nur in winzigen Ausmaßen nachgewiesen. K. PROHASKA (11, S. 26/32) und K. SCHOKLITSCH (12, S. 130) beobachtete diese Minerale bei der Mikroskopierung von Glas, das durch Umschmelzung von Schiefereinschlüssen im "Basalt" (basaltischen Andesit) von Kollnitz i.L. entstanden war. -H.V. GRABER (5, S, 41; 6, S. 45) und Chr. EXNER (4, S. 18/21) haben vom Südrande des Eisenkappeler Granits Cordierit-Andalusit-Hornfelse mit Sillimanit beschrieben. In beiden Fällen scheint es sich um pyrometamorphe Kontaktbildungen zu handeln.
Aus dem hochkatazonalen Altkristallin der Korund Saualpe (Hüttenberger Erzberg) sind mehrfach in Schiefergneisen und pegmatiten feine Nadelbüschel gefunden worden, die als Sillimanit gedeutet worden sind. Die Identifizierung erscheint nicht gesichert, obwohl das Mineral in diese Gesteinsgesellschaft gut passen würde. In Graniten und Pegmatiten oberösterreichs (z.B. Oberpuchenau bei Linz a.d.D.) und Niederösterreichs (z.B. Klein Pöchlarn) sind Oordierit und Sillimanit verbreitet, während solche Vorkommen aus Kärnten bislang nicht bekannt waren.
So beansprucht ein Fund von A. NIEDERBACHER (Villach), dem wir in Kärnten bereits die Aufdeckung verschiedener schöner Mineralvorkommen verdanken, aus dem "Granit" von Wernberg bei Villach besonderes Interesse. Der Steinbruch wird bereits von A..KIESLINGER (7, S. 15/16) genannt und liegt demnach "im Wald knapp nördlich der Bundesstraße Villach-Klagenfurt, etwa 150 m N der großen Steigung zwischen Zauchen und Wernberg". Das Gestein ähnelt sehr dem nahen "Seebacher Granit" vom Markogel, nur tritt makroskopisch ein Biotitgehalt viel stärker hervor. Wie dort sind im Gestein kleine rote Granatkörnchen (Ø 1 bis 3 mm) und besonders in weißen, aplitischen Partien gelegentlich auch 3 bis 5 mm große, grasgrüne Apatitnester zu finden. Die Parallele zum Seebacher Granit wird noch verstärkt durch die Mitteilung von Herrn NIEDERBACHER, daß im letzten Herbst neben den genannten Mineralen auch gut kristallisierte Arsenkies -xx im Wernberger Bruch vorkamen.
Daneben beobachtete er im Aplit 2 bis 3 mm große im frischen Zustand lila gefärbte Körner, die jedoch im Sonnenlicht stark verblaßten, vermutete Cordierit und bat mich um nähere Untersuchung. Dabei zeigte sich wieder einmal, daß die optische Cordierit-Diagnose bei wenig, praktisch ungefärbt und unverwittert vorliegendem Material ausgesprochen schwierig, wenn nicht unsicher ist.
An etwa 1 mm dicken, zur Schliffherstellung verwendeten Plättchen, war die Lila-Färbung noch deutlich sichtbar, in Dünnschliffdicke natürlich nicht mehr, doch schwand sie seither auch vollständig an den Probestücken.
Im Schliff treten Quarz, Mikroklin, ein Plagioklas und Muskovit herrschend hervor, daneben etwas Biotit, Granat und Apatit. Der Plagioklas ist ein Alb i t mit etwa 7% An (Bestimmung an Hand ANGELs Plagioklasuhr; Kontrolle am U-Tisch durch Dr. W. FRITSCH; 2VX = 100°); Spaltungen nach (001) und (010), sowie Zwillingslamellierungen nach dem Albit- und Periklingesetz sind reichlich und ausgezeichnet entwickelt. Er zeigt keine Füll- oder Umwandlungserscheinungen. Der Mikroklin ist gitterlamelliert und manchmal leicht getrübt durch Einschlüsse von blättrigen Mikrolithen.
Das lila gefärbte Mineral wurde nach der Dickplatte markiert und im Dünnschliff wieder gefunden. In Licht- und Doppelbrechung besteht größte Ähnlichkeit mit Albit und mit Quarz. Es zeigt im Schliff keine Spaltung, keine Verzwillingung und keine Umwandlungsbildungen, ist optisch zweiachsig mit großem Achsenwinkel (2V um 90°, U-Tischmessung von Dr. W. FRITSCH). Die genannten Eigenschaften können auf einen eisenarmen Cordierit bezogen werden, sind für sich allein aber auch nicht beweisend. Ein-Plagioklas muß nicht in jedem Korn Spaltung und Verzwillingung zeigen und Cordierit kann auch eine schlechte Spaltung (Absonderung) und eine aragonitartige Verzwillingung aufweisen.
Auf Cordierit deuten jedoch wolkige, besonders in den Kernteilen vorhandene Mikrolithenhaufen, die ausschließlich im fraglichen Mineral und nicht in den Feldspäten oder im Quarz gefunden wurden. Sie bestehen aus meist schnurgeraden, seltener gebogenen, scharfrandigen nadeligen Kristallen von deutlich über dem Wirtsmineralliegender Lichtbrechung. Letztere erreicht aber zufolge der subjektiven Erfahrung anscheinend nicht die Zoisithöhe. Die Abmessungen der Nadeln betragen gewöhnlich bis 0,001 x 0,08 mm, sie liegen vereinzelt auch bei 0,002 bis 0,004 x 0,04 bis 0,08 mm.
An letzteren erscheint gerade Auslöschung und negativer Zonencharakter wahrscheinlich, ist aber infolge von Überlagerungseffekten mit dem Wirtsmineral nicht mit Sicherheit zu konstatieren.
Ich halte es trotzdem für ziemlich sicher, daß diese Nadelwolken Sillimanit sind und damit ein weiteres Indiz darstellen, daß im ursprünglich lila gefärbten Mineral tatsächlich Cordierit vorliegt.
Ein Vergleichsschliff mit Cordierit von Oberpuchenau bei Linz a.D. zeigt Cordierit in gleicher Weise, ohne Spaltung und Verzwillingung und er enthält völlig gleichartige Sillimanitaggregate eingeschlossen. Nur beträgt hier die Größe der Nadeln 0,002 bis 0,008 x 0,040 bis 0,160 mm, so daß daran die Kennzeichen des Minerals besser zu ermitteln sind.
Die in unserem Falle am Licht verschwindende dilute Lilafärbung des Cordierits ist auffallend; ich habe im Schrifttum keine Angaben über das Ausbleichen von Cordierit finden können. Doch teilte mir Dipl. Ing .K. MATZ mit, daß Cordierit von Oberpuchenau seine Farbe ebenfalls im Licht verloren hat. Ähnlich. steht es mit im Eisenspat vom Hüttenberger Erzberg in hübschen Drusen vorkommenden Amethyst, der seine Farbe ebenfalls am Licht völlig einbüßt, was bei üblichen Amethysten auch nicht der Fall ist. Das Ausbleichendes "Cordierits" von Wernberg scheint mir demnach kein stichhaltiger Gegenbeweis zur Bestimmungsdeutung zu sein.
Das Wernberger Granitvorkommen ist zweifellos mit dem Seebacher engstens verwandt und mineralparagenetisch würde der Nachweis von Cordierit-Sillirnanit im letzteren gut zur durch Schieferfetzen und Schiefer, Muskovit bezeugten migmatischen Herkunft des ersteren passen.
KIESLINGER (7, S.15) berichtet, daß ein weiterer Granitabbau am Schloßberg von Landskron, zk. 1500 m von Gratschach entfernt, stattfand. Damit ist vielleicht ein Vorkommen gemeint, in dem gegenwärtig Platten gewonnen werden, dessen Bruch östlich von Gratschach auf einem Bergrücken gegenüber und etwas höher zum Gipfel des Landskroner Burgfelsen liegt. -Ein weiteres verwandtes, migmatisches Gestein ist lange schon vom Kumitzberg (zwischen Villach und st. Rupprecht) bekannt.
Dieses Villacher "Granit-Massiv ist somit viel ausgedehnter, als es auf verschiedenen geologischen Karten aufscheint. In seinen insbesondere pegmatitischen und aplitischen Gesteinstypen sind an Akzessorien -hauptsächlich im besterschlossenen und bekannten Vorkommen vom Markogel bei Seebach -u.a. Arsenkies, Fluorit, Apatit, Beryll und Turmalin (Schörl) nachgewiesen worden (1, S. 160).
Unweit vom Hotel Annenheim/Ossiachersee, am Nordabhang vom Jungfernsprung und Landskroner Burgfelsen, liegen einige alte Marmorbrüche, auS denen u.a. "aplitischer Granit, Typus Seebach" (7, S. 236), sowie pegmatitische Injektionen (8, S. 162) beschrieben worden sind. In letzteren ist außer Apatit erstmals für Kärnten Zinnstein nachgewiesen worden; die injizierten Marmore führen eine violette, glaukophanartigeHornblende, Tremoit und Diopsid, sowie blauen, grünen und braunen Turmalin (1, S. 162).
Brauner und blauer Turmalin kommt immer wieder ebenfalls im Silikatmarmor von Gummern vor (2, SJ 164). Ein Handstück mit prächtigen, mehrere cm großen, blauen Turmalin-xx ist dort im vergangenen Jahr von mont. H. WENINGER (Leoben) aufgesammelt worden.
Diese Vorkommen mit Marmorzügen und Pegmatit schwärmen liegen in der Millstätter Serie, wie auch noch die Pegmatite der Umgebung von Spittal an der Drau, aus denen eine Reihe von seltenen und bezeichnenden Mineralen bekannt geworden ist:
der Spodumen von Edling (8, S. 216; 3, S. 167/168);
Tapiolit, Columbit, Beryll, Apatit, Siderit und verschiedene sekundäre Uranminerale aus dem Feldspatbruch am Eingang in die Lieserschlucht bei Spittal (8, S. 205/216; 3, S. 165/167);
Uranpecherz (10, S. 51), Siderit, Apatit, Wardit und Montebrasit aus dem Feldspatbruch am Wolfsberg bei Spittal (9, S. 21/24).
Insgesamt gehören diese Minerale mit den "Elementen As, B, Be, F, Li, Nb, P, Sn, Ta und U einer typisch granitpegmatitischen Mineralgesellschaft an. Die Vorstellung eines genetischen Zusammenhanges von den "Graniten" um Villach zu den Pegmatiten der Millstätter Serie gewinnt an Wahrscheinlichkeit.
Alle diese mineralogischen Bestimmungsergebnisse sind letztlich Erfolge der Sammeltätigkeit von zahlreichen Besuchern dieser Steinbrüche. Oft klopft und sucht man vergebens. Umso größer ist die Freude, wenn wieder einmal ein Neufund gelingt und wenn damit in der Folge genetische Zusammenhänge erschlossen werden können.
So soll dieser Bericht vom wahrscheinlichen Nachweis von Cordierit und Sillimanit im Wernberger Granit auf die Steinbrüche und Mineralparagenesen eines größeren Gebietes aufmerksam machen. Weiteres Material vom noch lilagefärbten Mineral wäre zur röntgenographischen Bestätigung der "Cordierit"-Diagnose erwünscht.

Schrifttum:
( 1) ANGEL, F. - E. CI,AR und H. MEIX1ITER: Der Granit vom Markogel bei Villach. - Carinthia II, 143., Klagenfurt 1953, 160-162.
(2) ANGEL, F. - E. CIAR und H. MEIXNER: Das .Marmorvorkommen von Gummern. - Carinthia II, 143l., Klagenfurt 1953, 163-164.
(3) ANGEL, F. - H. MEI.XNER: Die Pegmatite bei Spittal an der Drau. - Carinthia II, 143., Klagenfurt 1953, 165-168.
(4) EXNER, Chr.: Aufnahmen (1955) im Eruptivgebiet von Eisenkappel (Blatt 213) .- Verh. d. Geol. B.A., Wien 1956, 18-24.
(5) GRABER, H.V.: Neue Beiträge zur Petrographie und Tektonik des Kristallins von Eisenkappel in Südkärnten. - Mitteil. d. Geol. Ges., 22., Wien 1929. 25-64.
(6) GRABER, H.V.: Neubegehungen im Gebiet der krystallinischen Schiefer und Massengesteine von Eisehkappel in Südkärnten. - Anzeiger d. Wr. Akad.d.Wiss., 70., Wien 193:5. 40-48.
(7) KIESLINGER, A.: Die nutzbaren Gesteine Kärntens. - 17.
Sh. d. Carinthia II, Klagenfurt 1956, 1-348.
(8) MEIXNER, H.: Zur erzmikroskopischen Unterscheidung der Tantalit-Tapiolit-Phasen, unter besonderer Berücksichtigung eines neuen Vorkommens im Pegmatit von Spittal an der Drau, Kärnten. - Mh. d. N. Jb. f. Min., Stuttgart 1951, 204-218.
(9) MEIXNER, H.: Neue Mineralfunde in den österr. Ostalpen XV. Carinthia II, 146., Klagenfurt 1956, 20-31.
(10) MEIXNER, H.: Die Minerale Kärntens I. -21.
Sh. d. Carinthia II, Klagenfurt 1957, 1-147.
(11) PROHASKA, K.: Über den Basalt von Kollnitz im Lavantthale und dessen glasige cordieritführende Einschlüsse. - Sitzber. d. Wr. Akad.d.Wiss., 92.,Wien 1885, 20-32,
(12) SCHOKLITSCH, K.: Pyrometamorphose an Einschlüssen in Eruptivgesteinen am Alpen-Ostrand. - Tscherm. Min.Petr. Mitteil., 46., 1934, 127-152.

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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