Friedrich O. M. / 1962

  Neue Betrachtungen zur ostalpinen Vererzung.

Von O. M. FRIEDRICH, Leoben.

Es ist allgemein bekannt, daß in den Alpen ungemein zahlreiche Erzvorkommen vorhanden sind; wie viele ergibt sich aus kartenmäßigen Darstellungen; eine solche gab ich 1953 mit der Lagerstättenkarte für die Ostalpen und HUTTENLOCHER (Bern) etwa um die selbe Zeit für die Westalpen heraus. Eine solche Vielzahl führt sofort zur Frage, ob diese Lagerstätten miteinander verwandt sind, aus welchem Ursprung sie stammen, warum sie auf so viele Kleinvorkommen verzettelt sind.
Überlegungen dieser Art gibt es schon, seitdem man Lagerstätten wissenschaftlich bearbeitet. REISSACHER (1848 für Gastein), TUNNER, POSEPNY, REDLICH und GRANIGG haben Überlegungen in dieser Richtung angestellt. 1928 sprach W. PETRASCHECK aus, daß ein Großteil der ostalpinen Lagerstätten einer einheitlichen alpinen Metallogenese angehöre, und 1932 betonte er die Verwandschaft unserer Eisenspat- und Magnesitlagerstätten. PETRASCHECK geht dabei von der Überlegung aus, daß viele unserer Lagerstätten nach der Haupttektonik, nach den alpidischen Deckenschüben entstanden sind, daß aber Störungen, wie sie das Braunkohlen-Miozän zeigt, die Lagerstätten noch betreffen. Damit ist eine einheitliche recht jugendliche Vererzung vieler ostalpiner Lagerstätten wahrscheinlich gemacht worden. Von den Verhältnissen im Süden, in den Südalpen und Dinariden ausgehend, betrachtet er die Andesite als Erzbringer. A. TORNQUIST bearbeitet um diese Zeit ebenfalls verschiedene Lagerstätten und führt Basalte, Andesite, Dazite usw. als Quellen des Metallgehaltes an. Von den Zentralalpen-Gebieten ausgehend, betonen dann 1932 CLAR und ich, daß Kristallisationshöfe als Zentren der Vererzung angesehen werden können, daß viele Lagerstätten dieser Gebiete unter den P T-Bedingungen der Tauern-Kristallisation entstanden sind.
Ein an sich geringfügiger Anlaß brachte uns in der Kenntnis unserer Lagerstätten einen großen Schritt weiter: SCHWINNER kritisierte jene Lagerstättenkarte, welche H. SCHNEIDERHÖHN seinem großen Werk über die magmatischen Lagerstätten beigegeben hatte. Da in dieser Kritik Dinge unrichtig dargestellt wurden, entgegnete ich ihm, und es kam in der Folgezeit zu längeren Aussprachen im Schrifttum zwischen SCHWINNER, SCHNEIDERHÖHN und CLAR und mir. Sie führten dazu, daß SCHNEIDERHÖHN unsere ostalpinen Verhältnisse neu Überdachte und 1951 auf der Herbsttagung in Klagenfurt seine "Neue Lagerstätten-Gliederung" vortrug. SCHNEIDERHÖHN ging darin vom Gedanken aus, daß die Metalle vorwiegend nur durch variskische Granite gebracht worden seien, und daß diese Lagerstätten durch die nachfolgenden alpidischen Gebirgsbildungen mobilisiert, in höhere Schichten verbracht und dort als "durchgepauste Lagerstätten" aufscheinen. CLAR nahm dazu noch 1951 in "Erzmetall „ Stellung und schlug einige Verbesserungen in diesem Schema vor und W.E. PETRASCHECK äußerte sich 1952 dazu vor allem hinsichtlich der Beziehungen zur Vererzung des Südostraumes. Zuvor hatte ich 1948 auf Überschiebungsbahnen als Vererzungsflächen hingewiesen.
1953 fand in Mainz eine groß angelegte Tagung über Magmatismus und Metallogenese statt. CLAR vertrat dort die ostalpinen Erfahrungen einer einheitlichen alpidischen Vererzung, weil die Lagerstätten 1.) räumlich in Zonen gegliedert sind, 2.) weil sie alpidisches Alter zeigen, d.h. jünger als die Haupttektonik sind, aber im Sinne von W. PETRASCHECK von nachfolgenden Störungen noch betroffen werden. Über die als Erzbringer in Frage kommenden Magmen kommt CLAR zum Schluß, daß der basische Magmatismus, der uns umgeprägt als Diabas bzw. Amphibolit vorliegt, zu alt sei und als Erzbringer ausscheidet. Die Periadriatica liegen exzentrisch zum Zonenbau. der Lagerstätten, dessen Herd in der Tauernachse angenommen werden muß. Auch die Zentren der andesitischen Ergüsse liegen anders als die Zentren der Vererzung, und der finale Magmatismus ist nicht nur in den Alpen, sondern fast überall auf der Erde erzleer. Er kommt daher zum Schluß, daß die P-T-Bedingungen der Vererzung mit jenen der Tauern-Kristallisation zusammenfallen, daß die Tauernkristallisation der Größe des erforderlichen Herdes entspricht, und erklärt die Lagerstätten als Differentiate aus dem Granitwerden.. Dabei kann auch alter Stoffbestand, beispielsweise basischer Gesteine, wirksam und merkbar werden. CLAR erklärt den Zusammenhang zwischen der Bewegung eines sauren Magmas, der Migmatit-Bildung, der Tauernkristallisation und der Vererzung als Folgen der Versenkung weiter Gebiete in große Tiefen. Tauerngranite und Periadriatica haben gleiche Herkunft aber verschiedenes Schicksal erlitten. CLARs Schlußsatz lautet: "Nach unserem heutigen Einblick ist die alpidische Vererzung nicht zu verstehen nur als eine Nebenäußerung irgendeines Teilvorganges der Gebirgsbildung wie beispielsweise als Magmatismus, sondern nur als eine im Sinne von H. STILLE spätorogen bis subsequente Äußerung der alpidischen Orogenese als Ganzes, mit ihrer tiefreichenden Tektonik, mit ihrem Magmatismus und mit ihrer Metamorphose der Zentralgebiete."
Zuvor hatte CLAR 1951 gezeigt, daß die Vererzung von Hüttenberg innig mit dem großen Görtschitztal-Bruchsystem zusammenhängt und durch die Alterseinstufung dieses Bruches auch das Alter der Vererzung festgestellt werden kann.
Im selben Jahr, 1953, gab ich einerseits als Antwort auf die letzte Äußerung SCHWINNERs meine Lagerstättenkarte zur Tagung der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft in Leoben und Klagenfurt heraus (Radex Rundsch., 1953). Dazu nahmen CLAR und MEIXNER in ihren Begleitworten Stellung und gaben im damals erschienenen "Führer" nochmals eine übersichtliche Gesamtdarstellung (Carinthia II, 1953).
Damit waren 1953 alle wesentlichen Bau- und Grundzüge erkannt; und zwar Bewegungsbahnen und Brüche als Leitlinien und Wege der vererzenden Lösungen die Metamorphose in Form der Tauernkristallisation als P+T-Bedingung, und wenn schon nicht als Metallspender, so doch als Motor für die Stoffwanderungen. Weiters waren die Einflüsse des Nebengesteins weitgehend geklärt und damit die alpidische Orogenese als Summe aller Vorgänge als Ursache der Vererzung erkannt.
Diese großzügige Darstellung fand in den Kreisen der Lagerstättenforscher allerdings wenig Widerhall und wurde von einigen bewußt scharf abgelehnt. SCHWINNER, der durch seine Grundeinstellung ein Gegner jeder Deckentheorie war und damit auch die einheitliche Grundlage der Vererzung ablehnte, starb 1953 'und schied dadurch aus. Die Ansichten von LEITMEIER und SIEGL wurden von ANGEL, CLAR und mir widerlegt, und damit wird die Metasomatose seither für diese Lagerstättengruppe (Magnesit) ziemlich allgemein anerkannt. MAUCHER, SCHNEIDER und SCHULZ lehnen eine einheitliche Vererzung " der Blei-Zink-Lagerstätten im Sinne von PETRASCHECK, CLAR und mir schroff ab, doch kommen wir darauf bei den betreffenden Lagerstätten noch zu sprechen.
SCHROLL glaubt die einheitliche Vererzung widerlegen zu können, weil Altersbestimmungen an verschiedenen Bleiglanzen und die Spurenelemente in verschiedenen Erzen nicht einheitlich seien. Die Altersbestimmung durch die Blei-Isotopen geht auf Verhältnisse im Atomkern zurück; diese sind eine Folge der Verhältnisse bei der Element-Entstehung aus der "Solar-Materie" oder des radioaktiven Zerfalles. Hingegen sind die Lagerstättenbildung und die Platznahme des Bleiglanzes eindeutig Reaktionen der Atomhülle. Es ist auch allgemein bekannt und jedem Chemiker geläufig, daß bei quantitativenchemischen Vorgängen das Isotopen-Verhältnis nicht geändert wird. Wenn wir also irgendeinen beliebig alten Bleiglanz zu Blei verhütten, das Blei in Säure auflösen, daraus wieder PbS fällen und zu Bleiglanz rekristallisieren lassen, muß der neu gebildete Bleiglanz wieder das Isotopenverhältnis und damit das Alter des ursprünglichen Bleiglanzes zeigen. Laufen die chemischen Reaktionen aber nicht quantitativ ab, dann können sich innerhalb des Isotopenverhältnisses Verschiebungen einstellen, welche verschiedenes Alter des neuen Bleiglanzes gegenüber dem ursprünglichen vortäuschen; und wer wird behaupten wollen, daß eine Lagerstätten-Mobilisation durch eine Orogenese quantitativ die vorhandenen Bleimengen mobilisiert und niederschlägt!
Spurenelemente werden bei Lagerstätten-Regeneration oft mitwandern können. Sie können dabei aber auch zum Teil entfernt oder angereichert werden, sodaß sie vielfach keinen Hinweis auf die ursprüngliche Lagerstätte geben können (W. FISCHER 1960/61). Jedem Bergmann ist überdies zu seinem Leidwesen bekannt, wie schwierig es ist, von einer ausgedehnten Lagerstätte ein wirklich dem Durchschnitt entsprechendes Muster für eine chemische Analyse zu erhalten. Wie soll da ein beliebig und willkürlich entnommenes winziges Probestückchen "repräsentativ" für die Lagerstätte sein. Auch ist jedem Bergmann bekannt, daß oft durch Jahre hindurch ein Mineral auf einer Lagerstätte nicht gefunden wird und plötzlich ist es wieder in großen Mengen, in einem Erznest vorhanden (Löllingit, Wismut, Gold u.a. in Hüttenberg). Auf eine irrtümliche Auslegung der Magnesitvorkommen wird gesondert zurückgekommen werden.
Bevor wir auf die einzelnen Lagerstättentypen eingehen, wollen wir auch einen Blick auf den heutigen Stand der Lagerstättenkunde und ihrer Nachbargebiete werfen. H. STILLE hat die Zusammenhänge zwischen Geosynklinale, Magmatismus und Gebirgsbildung (orogenese) auf Grund seiner weltweiten Erfahrung übersichtlich dargestellt. Diese Gliederung hat sich inzwischen allgemein bewährt und gehört heute zum bekanntesten Rüstzeug der Gesteinskunde und Geologie. Ein großer Kettengebirgszug entsteht nicht zufällig und durch einen einmaligen katastrophalen Akt, sondern durchläuft eine lange Bildungs- und Entwicklungsreihe. Sie beginnt mit einem großräumigen Absinken der Erdoberfläche in großen Trögen und Wannen, die als Geosynklinale bezeichnet werden und mit vielen 100, ja 1000 m Sedimenten zugeschüttet werden. Im Zusammenspiel mit diesem Zufüllen des Troges treten juvenile, magmatische Gesteine auf, die STILLE als initialen Magmatismus zusammengefaßt hat. Durch das Absinken der tiefen Schichtenwerden in diesen Umbildungsvorgänge ausgelöst, die zu Metamorphosen, Granitisierurtg und schließlich zum Einschmelzen dieser Sial-Massen führen, welche als palingen entstandene Plutonite synorogen in den Ablauf der damit einsetzenden Gebirgsbildung (Orogenese) einbezogen werden. Nach Überschreiten eines Höhepunktes verfestigen die Massen, die fließende Verformung wird von einer Blockund Bruchtektonik abgelöst, mit der subsequenter Magmatismus häufig als Vulkanit im wesentlichen nachorogen auftritt. Die Grenze zwischen dem synorogenen und dem subsequenten Magmatismus ist oft unscharf. Solange noch ein leichtes Sial-Magma in der Tiefe vorhanden ist, kann schweres basisches Sima-Magma nicht aufsteigen. Sind die Sial-Massen aber "eingefroren", so dringt basaltisches Magma als finaler Magmatismus hoch und tritt in Form von Basalten und ähnlichen Vulkaniten auf. H. BORCHERT erläutert Zusammenhänge zwischen Vererzung und dem Geschehen im Sinne von H. STILLE. K. R. MEHNERT betont 1960, daß die alte Ansicht nicht mehr gelte, wonach nur juvenile Granite erzreich seien, palingene aber erzarm. Die Mobilisation erfordert aber viel Wasser, und deshalb werden Metalle nur in oberen Bereichen (Epizone) der Orogenese verfrachtet. Schon 1942 hatte HELKE seinen zweiten Hauptsatz der Lagerstättenbildung aufgestellt: "Jeder" Gebirgsbildung, jedem Orogen ist eine Lagerstättenbildung, ein Chalkogen beigeordnet." Ganz besonders wichtig sind aber Versuche von H.G.F. WINKLER geworden, die seit mehreren Jahren laufen und die Beziehungen zwischen Metamorphose und Granitisierung experimentell überprüfen. Es zeigte sich, daß bei 350±70° und 2000 atü eine Umbildung von Sedimenten zur Grünschiefer-Fazies einsetzt, und bei Wärmehöhen von 670 bis 740°C schmilzt der größte Teil auf und bildet ein Dioritbis Tonalitmagma. Dazwischen bilden sich metamorphe Gesteine und daneben 20 bis 60 % Schmelzen, wobei eine Alkali-Zufuhr nicht nötig ist. Die Schmelze geht von der Zusammensetzung eines Aplites zu der eines Granites und eines Tonalites über, je nach der angewandten Temperatur und der chemischen Zusammensetzung der Proben. So erhielt er Tonalite aus einigen Grauwacken. WINKLER betont, daß Schmelzen für starke Metamorphosen wesentlich sind und immer wieder auftreten. F. KARL erkannte, von seiner Kartierung im Venediger-Gebiet ausgehend, daß die Tonalit Granite, die früher mit anderen Gesteinen zum Zentralgranit bis Zentralgneise gerechnet wurden, alpidisch-s~orogene Gesteine sind, die von der Tauernkristallisation überarbeitet wurden. Hingegen spricht er die Periadriatica als alpidisch-subsequente Gesteine an, im subvulkanischen bis hochplutonischen Bereich vorhanden. Er betont: "Für die alpine Metallogenese ist der alpidische Magmatismus wieder aktuell! " Es müsse aber überprüft werden, wie weit ältere magmatische Ereignisse als Erzbringer in Frage kommen.
Auf die Fortschritte in der allgemeinen geologischen Kenntnis der Ostalpen kann hier nicht eingegangen werden; auf Ergebnisse von STOWASSER! TOLLMANN; FLÜGEL und MAURIN, FRITSCH-MEIXNER-PILGER-SCHÖNENBERG u.a. wird noch zurückgekommen.
Nun wollen wir darangehen. die Lagerstätten in einzelne Typen zu gliedern und deren Stellung im Sinne der STILLEschen Anschauung zu besprechen. Dabei lassen wir jene Lagerstätten unberücksichtigt, die sicher nicht alpidischer Entstehung sind, so beispielsweise die Hämatit-Magnetitquarzite (Stubai, Plankogel) oder die Magnetite der Platte bei Graz usw.

1.) Goldlagerstätten
a) Schellgaden.
Diese Lagerstätten liegen am Rande des Zentralgranites der Hochalm-Hafner-Gruppe. Das aplitische Gefolge des Granites, ist älter als die Vererzung und wird von den Erzlagern durchsetzt. Die Erzlager selbst erweisen sich als Gleitbahnen, die in sich vielfach verfaltet sind und ein Aufblättern des Gesteines abbilden. Quarz und Erze verdrängen dabei vielfach vorbestandene Silikate (Glimmer). Übergänge zu echten Gängen sind reichlich vorhanden. Streichende Klüfte erzeugen Streifen- und Treppenbau. Die Erzlager dünnen an diesen Klüften aus. Querrisse sind mit Bergkristall, Karbonaten, Pyrit, Cukies, Rutil u.a. gefüllt und sind mit den alpinen Mineralklüften vergleichbar. Eine auf 900 m in der Hauptlagerstätte verfolgte Kluftzone, die Kreuzkluft, enthält das Zerreibsel metamorph umgeprägt. Die Vererzung erfolgte im Grenzbereich pneumatolytisch und heiß-hydrothermal unter den P-T-Verhältnissen der Tauernkristallisation; dies geht aus den reichlich vorhandenen Gangarten Albit, Chlorit, Turmalin usw. hervor. Chemisch unterscheiden sich diese Lagerstätten von den echten Tauern-Goldgängen dadurch, daß kein oder fast kein Arsen vorhanden ist, dafür aber Wolfram (Scheelit1, Molybdän (Molybdänglanz), Wismut und Telluride. Diese Lagerstätten sind synorogen unter den Bedingungen der Tauern-Kristallisation entstanden und in deren letztes Ende einzureihen; die Tiefenlage des Herdes ist als plutonisch anzusehen.

b) Tauern -Goldgänge.
Wie ich schon 1937 gezeigt habe, kann wenigstens ein Teil dieser Gänge als Fiederspalten zur großen Mölltal-Linie angesehen werden. Es handelt sich um echte Gänge, die vom Granit in die Schieferhüllen gerade durchsetzen und hydrothermal gefüllt sind. Schon 1848 hat REISSACHER auf den Wechsel des Mineralinhaltes beim Übergang aus Gneis in andere Gesteine hingewiesen. Die im Gneis ausgebildete As-Kies-Gold-Führung wird in den Glimmerschiefern durch höhere Silbergehalte vertreten; in den Marmoren aber treten Eisenspat und Bleiglanz auf, As und Au aber zurück. Diese Lagerstätten sind ihrem ganzen Erscheinungsbild zufolge als nachorogen und subsequent anzusprechen in einer hochplutonischen Tiefenlage. (Nachschrift: In der an den Vortrag anschließenden Wechselrede gab ich auf eine entsprechende Rückfrage von W. E. PETRASCHEdK die Gründe bekannt, die mich veranlaßten, den Herd dieser Vererzung als hochplutonisch anzusehen: Der Pasel-Unterbaustollen zeigt, daß in seiner Teufe die Radhausberger Gänge in ihren fast erzleeren Wurzeln angetroffen wurden und dadurch starke Teufenunterschiede angezeigt werden, die auf einen recht hoch liegenden Herd, eben hochplutonisch, schließen lassen). Viele ähnliche Lagerstätten dieser Art sind zwischen Semmering und Mt. Rosa bekannt. Es sei da nur auf jene in der Kliening, bei Pusterwald und im Semmeringgebiet hingewiesen. Eng verwandt damit sind auch Arsenkies-Lagerstätten, beispielsweise jene von Rotgülden im Lungau oder Pucheck bei Vorau; auch die an den Tonalitporphyrit gebundenen As-Lagerstätten bei Johann im Walde (Iseltal, Osttirol) entsprechen weitgehend.

c) Kreuzeck .; In dieser Gebirgsgruppe sind Golderzgänge zahlreich vertreten, so am Fundkofel, am Grakofel, in der Dechant, Draßnitz u.v.a.O. Von diesen Lagerstätten ist zu betonen, daß sie nur in Bereichen auftreten, in denen Tonalitporphyrite bekannt sind. Sie bilden echte Gänge, und es sind Fälle bekannt, wo die Gangfülle mit Porphyrit mehrmals wechselt (Fundkofel). Die Abfolgen dieser Erzgänge zeigen starkes Ineinanderschieben (Telescoping); dieses weist auf einen oberflächennahen subsequenten Herd. Tektonisch sind diese Gänge im allgemeinen nur wenig beansprucht, sie führen vielfach noch offene Drusenräume wie auf der Assamalm und in der Breitleiten. Ich ordne diese Edelmetallgänge deshalb subvulkanisch bis hochplutonisch im Gefolge der subsequenten Tonalit-Porphyrit-Gänge ein.

2.) Kieslagerstätten.
Kieslagerstätten treten uns in verschiedener Form entgegen; ich greife folgende Typen heraus:
a) Lamprechtsberg.
In meiner Habilitationsarbeit habe ich gezeigt, daß diese Magnetkieslagerstätte als Gefolge von Pegmatiten (Veniten) anzusehen ist, die in Marmore eingedrungen sind und diese verdrängt haben. Dieses Vorkommen ist sehr reich an Mineralien; vor allem an Silikaten, im Grenzbereich der Kata- zur Mesozone entstanden, wobei die Bedingungen weitgehend als "trocken" anzusprechen sind. Wenn die Mobilisation dieser Venite nach den Erfahrungen des Hüttenberger Arbeitskreises in die variskische Orogenese gestellt wird, dann stellt diese Lagerstätte ein Glied dieser Gebirgsbildung dar, das in einem tiefen Stockwerk entstanden und alpidisch nur wenig verändert wurde. Ähnliche Vorkommen liegen bei Lading und Pölling im Lavanttal; überdies ist diese Lagerstätte jener von Bodenmais im Bayrischen Wald ähnlich.

b Nickelmagnetkies Pfeifenbergeralm. Diese Lagerstätte durchsetzt innig ein kleines Serpentinvorkommen im Murwinkel. Sie besteht aus Magnetkies mit Pentlandit, Magnetit, Ilmenit und anderen Titanmineralien. Sie ist klein, absätzig und "zufällig" erhalten. Ihr Metallgehalt ist wahrscheinlich liquidmagmatisch im Ophiolit ausgeschieden worden, gehört daher vielleicht zum initialen basischen Magmatismus, ist aber tauernkristallin umgeprägt worden.
Hierher gehören auch einige Kieslagerstätten im Pinzgau, die , im Magnetkies Pentlandit führen und später durch Zufuhren reichlich Pyrit und Cukies erhielten. Sie bilden eine Untergruppe unter den Tauernkieslagerstätten.
Bei Lobming und in der Kainach -also im Gleinalmhof -sind kleine Magnetkies-Kupferkies-Vorkommen bekannt, die ich als synorogen zur variskischen Orogenese auffasse. Hierher gehören auch Ni-Sulfide (wie Pentlandit und Heazlewoodit) im Serpentin von Hirt und Kraubath.

c) Tauernkiese:
Kieslagerstätten dieser Gruppe sind vor allem im Großarltal und im Pinzgaz verbreitet, bekannte Vorkommen liegen auch bei Walchen und Kalwang (Stmk.), sowie Glashütten im Burgenland. Ihre Entstehung habe ich an der Lagerstätte von Prettau, Südtirol, folgend gedeutet: Auf eine Vorphase (I), die auf basischen Magmatismus zurückgeht und aus Ilmenit, Eisenglanz und Magnetit besteht, überlagert sich eine Hauptphase (II). Es ist sehr wahrscheinlich, daß in der Vorphase verbreitet auch Ni-hältiger Magnetkies vorhanden war, wie das vorstehend gezeigt wurde, dieser aber durch die Hauptphase verwischt bezw. entfernt worden ist. Die Hauptphase brachte vor allem eine Zufuhr von Fe, S, Cu usw. Hingegen bringt eine Nachphase (III) Blei- und Antimongehalte. Diese fehlt in Prettau oder ist dort noch nicht erkannt; ist aber beispielsweise in der Walchen bei Öblarn durch schöne Myrmekite von Bournonit* Boulangerit, Fahlerz und Bleiglanz vertreten. Dieselbe Nachphase Sehen wir auch auf vielen anderen alpidischen Lagerstätten; beispielsweise am Schneeberg in Tirol, auf Schladminger Lagerstätten und in Tauern-Goldgängen. Die Wärmehöhe dieses Vererzungsvorganges liegt ebenfalls sehr hoch (um 250-300°), durch Valleriit und Cubanit angezeigt, während die letzten Nachphasen in recht kühlem Bereich entstanden sein dürften.
Die basische Abfolge I ist sehr stark verdrängt und nur in Relikten vorhanden. Die Phase II ist stark durchbewegt in die Schieferung eingeschichtet, bildet Erzlineale und ist tauernkristallin geprägt. Die Folge III ist tektonisch nicht mehr erfaßt. Ich deute diese Lagerstättengruppe daher so, daß alt (initial oder variskisch?) angelegte Zentren alpidisch-synorogen hauptvererzt wurden, und die letzten Folgen subsequent überlagert sind. Herdtiefe war in der Hauptphase plutonisch; in der Nachphase scheint mir aber der Herd hochplutonisch gelegen zu sein.)

d) Kreuzeckgruppe:
In dieser treten Kieslagerstätten ebenfalls weit verbreitet auf, so sind solche in der Knappenstube, am Politzberg und bei Stallhofen bekannt. Von diesen Lagerstätten ist eine ältere Abfolge gerade 1noch durchbewegt, die jüngeren Nachschübe aber nicht mehr. In diesen Lagerstätten ist viel Magnetkies, aber auch viel Blei und Zink vorhanden.
Kennzeichnend ist ferner, daß manche dieser Zinkblenden reichlich Zinnkies entmischt enthalten, der anderen ostalpinen Lagerstättentypen fehlt. Die Abfolgen sind stark ineinander geschoben (Telescoping). Aus der Tatsache, daß Kies überall dort vorhanden ist, wo Porphyritgänge auftreten, in Porphyrit-freien Gebieten aber fehlen, ist der Zusammenhang mit den Porphyritgängen belegt. Die Lagerstättenbildung erfolgte subvulkanisch bis hochplutonisch im Gefolge der subsequenten Tohalitporphyrite.

e) Kiesspuren im Liparit vom Schaufelgraben bei Gleichenberg.
Sie sind zwar ganz arm, treten nur an Klüften auf, verdrängen den Feldspat des Liparites und sind nur als Mineralvorkommen zu bezeichnen. Sie werden hier nur angeführt als die letzten Ausläufer des subsequenten Vulkanismus. Für den finalen, basaltischen Vulkanismus konnte ich nicht einmal solche Spuren ausfindig machen.

f) Sedimentäre Kiese.
Sie sind in kleinen Vorkommen in verschiedenen Gesteinen aller Serien immer wieder vorhanden, so z.B. in den Raibler Schichten des Mesozoikums, in Graphitlagerstätten, in Phylliten bei Mitterberg, sowie im Braunkohlen-Miozän. Sie zeigen vielfach noch erhaltenes Zellgefüge, stellen einen anderen Vorgang dar, der nicht in die alpdische Vererzung fällt. Einige lassen sich geosynklinalen Senkungsfeldern als vororogene Bildungen zuordnen, wie dies für den Kiesgehalt der Raibler Schichten gelten mag, der in die alpidische Geosynklinale gehört, oder für gewisse "Alaunschiefer" in paläozoischen Schichten, die älteren Geosynklinalen angehören.

3.) Eisen -Kupfer -Lagerstätten.
Die wichtigste Lagerstättengruppe der Ostalpen liegt in den Fe-Cu-Lagerstätten vor. Von diesen wird ein nördlicher und ein südlicher Zug seit den Zeiten TUNNERs unterschieden.

a) Nördlicher Zug.
Der nördliche Zug streicht von Semmering bis Schwaz und setzt westlich des Arlberges bis ins Montafontal wieder ein. Das Hauptvorkommen am Steirischen Erzberg liegt nach CLAR und KERN dort, wo altpaläozoische Kalke eine nach N untertauchende Mulde bilden und auflagernde Werfener Schiefer diese nach .oben abdichten. Außerdem dichten die "Zwischenschiefer" in tieferer Lage neuerdings ab, wodurch die großen Mächtigkeiten dieser Lagerstätte erklärlich sind (tektonische Vorbedingung). Die Kalke werden von einem Kluftnetz durchsetzt und von diesem ausgehend vererzt. Dabei bevorzugen die Lösungen bestimmte Abarten des Kalkes (auswählende Metasomatose). An anderen Lagerstätten ist der Ort gegeben durch verquerende Bruchzonen, so beispielsweise am Mitterberg (Fiederspalte an der Grenze vom Paläozoikum zu den Kalkalpen). Von Osten nach Westen wechselt in diesem Zug der Gehalt an Fe und Cu mehrfach: So haben wir am Semmering- und bei Mitterberg Cu, bei Eisenerz aber das Fe wirtschaftlich im Vordergrund stehend. Ab Kitzbühel/Röhrerbühel tritt in diesen Lagerstätten immer mehr und mehr Fahlerz auf, das mehr oder minder reichlich Ag und Hg enthält. Im Westen bei Brixlegg und Schwaz herrscht dieses Erz gegenüber den anderen vor, doch sind auch gerade dort noch reine Fe Lagerstätten bekannt, beispielsweise Schwader Eisehstein. Immer wieder treten auf diesem Erzzug die Metalle Co, Ni, Hg (Zinnober, Schwazit) und Ag auf. Die Lagerstätten sind teilweise unter der Triasbasis angereichert, erfassen auch noch das Werfener Konglomerat. Gehen sie ausnahmsweise einmal höher hinauf, so wird der Spat feinkörnig und nimmt Bleiglanz auf, doch endet dann die Vererzung nach oben sehr bald (Teltschen bei Aussee). Die obersten Glieder (Werfen, Taghaube, Krabachjoch, aber auch Flachau usw.) sind sehr magnesiareich: Pistomesit bis Mesitin, worauf H. MEIXNER hingewiesen hat. Sie stellen ein Verbindungsglied zu den Fe-reichen Magnesitlagerstätten her. Die Vererzung ist am Steirischen Erzberg mindestens 1000 m tief nachgewiesen; aber auch die Röhrerbühler Gang reicht in diese Größenordnung. Da kein Siderit bekannt ist, der durchbewegt und nachher rekristallisierte, ist diese Vererzung als subsequent anzusprechen, bei einem plutonisch liegenden Herd.

b) Der südliche Zug.
Der südliche Eisenerzzug zieht von Innerkrems über Turrach, Friesach, Hüttenberg bis in die Salla bei Köflach. Ein abgetrenntes westliches Glied ist in Zauchen ober Lengholz vorhanden. Für die westlichen Vorkommen zwischen Innerkrems und Turrach habe ich gezeigt, daß die Erze dort an eine große Überschiebung gebunden sind. Nach STOWASSER und TOLLMANN sind die Verhältnisse jetzt noch einfacher zu deuten als sie seinerzeit nach THURNER und SCHWINNER auszulegen waren. Die Vorkommen sind hier am Nordrand der Überschiebung gehäuft, aber auch immer wieder innerhalb der Gurktaldecke in Einzelvorkommen vorhanden. Wo Querstörungen durchsetzen, wie am Kremsbachbruch, sind die Vorkommen gehäuft. Ab Fladnitz ist die Überschiebung noch nicht erkannt worden oder sie ist in den schieferigen Gesteinen nicht nachweisbar, weil hier im Gegensatz zum Westen zwischengeklemmte Triasfetzen fehlen. Aber gewisse Bewegungen der Scholle werden durch die auffallende Knüllung der Marmorbänder im betreffenden Abschnitt der Sau- und Koralm sehr wahrscheinlich gemacht. Bei Waldenstein geht die Vererzung mit einer ausgeprägten Diaphthorese, die zu mehr oder minder derben Chloritfelsen führt.
CLAR, MEIXNER und ihre Mitarbeiter haben viele Einzelheiten gebracht; so die Bindung an den Görtschitztalbruch, den Mineral- und Metallinhalt usf., sodaß wir hier darauf nicht näher eingehen brauchen. Im Westen ist neben den Hauptlagerstätten an der Überschiebung da und dort die ganze Gurktaldecke bis zur Karbonplatte hinauf vererzt; schmale Äderchen von Eisenspat mit Spuren von Kupferkies und Fahlerz kommen sowohl im Karbonkonglomerat wie auch in den kohligen Schiefern des dortigen Anthrazites vor. Die Spatvererzung erzeugte abseits der Hauptbewegungsfläche in den vielen dortigen Kalk- und Dolomitschollen nur Ankerit (Vorphase!), selten wird dieser von echten Siderit- bis Mesitingängchen (der Hauptvererzung!) durchsetzt.
Das Alter dieser Vererzung ist gegeben durch den Görtschitztalbruch bei Hüttenberg (CLAR), durch die Überschiebung bei Turrach und durch die Diaphthorese. Der Lodronsche Eisenbergbau ober Lengholz ist in die Frühphase der Porphyritabfolge zu stellen, Die Verwandschaft der Hüttenberger Lagerstätten mit den Goldgängen von der Kliening paßt ebenfalls gut in das Bild dieser Vererzung. Im Westen liegt der Herd subvulkanisch, im Osten hochplutonisch. Ich halte diese Vererzung für subsequent. Ein Tonalit-Herd im Nockgebiet wird durch die von H. SCHWINNER aufgefundenen Porphyrite vom Rinsennock und vom Hochrindl angedeutet. Er könnte sowohl die östliche Fortsetzung der entsprechende magmatischen Bereiche des Tauernkernes im Sinne von KARL sein, wie 'auch auf die Tonalite der Kreuzeckgruppe bezogen werden, wäre gegen diese aber um etwa 10 km nach Norden vorgeschoben, was mit den Bewegungen der Gurktaldecke vereinbar wäre. Auf die erstere dieser Möglichkeiten wies brieflich Herr Dr. W. FRITSCH hin, wofür hier gedankt sei.

c) Gailtal.
In diesem Gebiet sind Lagerstätten dieser Gruppe zwar vorhanden aber noch nicht lagerstättenkundlich bearbeitet.

d) Auf sedimentäre Eisenspatvorkommen
habe ich mehrfach hingewiesen: sie gehören aber nicht in den Rahmen der alpidischen Vererzung, sondern, einige zumindest, in die geosynklinale Absenkung der variskischen Orogenese.

4.) Pb -Zn -Ag -Lagerstätten. Diese in den Ostalpen ebenfalls wichtige Gruppe läßt sich in viele Typen untergliedern. Davon wollen wir die nachfolgenden herausgreifen:

a) Schladming:
Im Schladminger Obertal sind mehrere Pb-Ag-Lagerstätten vorhanden und immer wieder an Serizit-Quarzite gebunden. Ihr Hangendes wird aus einer oft weithin durchstreichenden Dachfläche gebildet, und die Lagerstätte unter ihr ist stetig, fließend verformt und von einer nachfolgenden Kristallisation verheilt. Es handelt sich um flache Lagergänge, die ähnlich wie in Schellgaden durch gleichsinnig streichende aber steiler einfallende Störungen in Streifen zerlegt sind. Die Lagerstätten zeigen Übergänge einerseits zu echten Gängen und andererseits zu typischen Mineralklüften mit Periklin, Bergkristall und Zeolithen. Soweit die Lagerstätten im Kristallin auftreten, erzeugt die Vererzung eine Diaphthorese, die Lagerstätten im Phyllit zeigen aufsteigende Kristallisation: die P+T-Bedingungen der Vererzung entsprechen völlig der Tauernkristallisation und die mineralbildenden Vorgänge halten an, bis diese zu Zeolith-Klüften abklingt. Die Pb- und Ag-Vorkommen sind einerseits mit Co-Ni-Lagerstätten (Zinkwand) und andererseits mit Cu-Ag-Gängen (Seekar) genetisch verbunden. Verbreitet tritt auf allen diesen Vorkommen eine Blei-Antimon-Nachphase auf. Ich stufe diese Lagerstättengruppe spätorogen bis subsequent ein, ihr Herd mag hochplutonisch gelegen sein.

b) Schneeberg in Tirol.
Diese Lagerstätten sind stärker kristallin als die von Schladming, was vor allem durch die reichlich vorhandenen schönen Silikate bezeugt ist. CLAR, der sich mit dem Gefüge dieser Erze befaßt hat, zeigte, daß die frühen Glieder (durch den Gehalt an Cubanit belegt) recht heiß gebildet wurden, währenddem die Schlußphase mit den Blei-Antimon-Mineralen (Boulangerit)auf niedrige Wärmehöhe schließen läßt. Wie ich bei eigenen mehrwöchigen Aufnahmen ermitteln konnte, nimmt die Kristallinität der Schiefer deutlich zu, wenn man sich der Lagerstätte nähert. Diese bildet wieder Lagergänge mit Übergang zu echten Gängen. Streichende und verquerende Störungen sind verbreitet. KLEBELSBERG weist darauf hin, daß im Pflerscher Pinggl ein Tonalit vorkommt; man kann daraus Hinweise auf einen nahen Magmenherd ableiten. Die Lagerstätte ist syn- bis spätorogen, hochplutonisch und magmanah einzuordnen.

c) Ramingstein.
Dieser alte Pb-Ag-Bergbau ist noch stärker kristallin als Schneeberg, dürfte daher noch tiefer als dieser gebildet worden sein. Die Anordnung der Baue an einer N-S-Linie weist auf eine tiefe Narbe im Untergrund hin. Ein Zusammenhang mit irgendeinem Magma ist direkt nicht zu erkennen, doch vermute ich eine alpidische N-S-Störung, zusammenhängend mit dem Nordschub der Gurktaldecke. Auch das Abschneiden einer Marmormasse entlang dieser Richtung und ein mit Diluvium bedeckter Talzug weisen auf entsprechende Bewegungen. Außerdem sind die grobkristallin ausgebildeten Silikate vollkommen frisch, nicht diaphthoritisch, sodaß der Schluß auf ein Glied der alpiden Orogenese in einem tieferen Stockwerk (normal plutonisch) als Schladming oder Meißelding naheliegend ist. Ähnliche Züge weist vielleicht das Vorkommen Moosburg bei Klagenfurt auf.

d) Meiselding.
Dieses Vorkommen liegt in den Gurktaler Phylliten dort, wo Schuppenbau und kalkige Lagen zusammenwirken. Die Lage im Raum, Form und der Innenbau erinnern sehr an die Schladminger Pb-Zn-Lagerstätten, aber es dürfte hier ein höheres Stockwerk im Phyllitbereich vorliegen. In der Umgebung gibt es mehrere ähnliche Vorkommen: so am Kulm, in der Herzelewand, bei Zweinitz und in Vellach bei Mettnitz. Ich spreche das Vorkommen als syn- bis spätorogen an im Zuge der alpidischen Gebirgsbildung, der Herd ist wohl im plutonischen Bereich zu vermuten

e) Grazer Pb -Zn -Vorkommen.
Diese galten bisher als alt (variskisch?) .Die Vermutung von Trias bei Köflach und Weiz durch FLÜGEL und MAURIN y in der Rasbergserie mit Barytvorkommen -läßt aber an die Möglichkeit denken, daß auch ihnen alpidisches Alter zukommen könnte. Auf den Schuppenbau dieses Gebietes hat schon WOLLAK hingewiesen. Die Grazer Vorkommen sind sehr ähnlich jenen von Meißelding. Auch sei darauf hingewiesen, daß im Bereich dieser Grazer Lagerstätten Fahlerze vorkommen (am Wetterbauernsattel), mehrfach Zinnoberlagerstätten (am Dalakberg bei Rein) und auch immer wieder Spuren von Qu-Erzen vorhanden sind. Sollte sich meine Vermutung als richtig erweisen, so wären diese Vorkommen als syn- bis spätorogen einzustufen. Auch bemerkenswerte Gehalte an Bleiglanz, Zinkblende, Zinnober usw. in den Sanden, welche die Braunkohlen begleiten (s. später), passen gut in diese Möglichkeit.
f) Wandelitzen-Griffen.
Bei diesen kleinen Vorkommen handelt es sich um reine Gänge, teilweise sogar noch mit offenen Spalten, die mit Bergkristallrasen ausgekleidet sind. Die Abfolgen sind wieder stark ineinandergeschoben, die Gehalte an Silber und Quecksilber sind hoch. Diese Vorkommen sind mit den benachbarten Cu-Ag-Vorkommen von Schwabeck und Ruden eng verwandt; beide führen auch reichlich Hg. Diese Gänge sind nachtektonisch, gehören in das subsequente Gefolge der Periadriatica des Südens (Tonalit und Granit von Eisenkappel) .Sie liegen dort, wo der Görtschitztalbruch und die ihn begleitenden Störungen den südlichsten Magmenherd (Eisenkappel -Saldenhofen usw.) anschneidet!
g) Kalkalpen:
Diese Lagerstättengruppe ist in letzter Zeit sehr umstritten. MAUCHER, SCHNEIDER und SCHULZ behaupten, es seien synsedimentäre Bildungen. CLAR hat dagegen gewichtige Gegengründe eingewendet und weist namentlich daraufhin, daß Bleiberg seine Aufschlüsse der Hydrothermaltheorie verdankt. Ferner betont er, daß die zweite und dritte Phase der Münchner von uns als hydrothermal gedeutet wird. Es konnten von den Münchnern keine Gründe angeführt werden, die solche Umlagerungen wahrscheinlich erscheinen lassen. Die Umlagerungen würden verlangen, daß die ganze Erzparagenese gleichmäßig mobolisiert und verlagert würde, ohne daß Unterschiede in der Löslichkeit beim Auflösen und beim Wiederabsetzen etwas geändert hätten-" (Markasit! ) o Dabei sollen Verfrachtungen über mehrere 100 m, ja 1000 m stattgefunden haben. Auch im Nebengestein sind keinerlei Anzeichen des Lösungsumsatzes vorhanden, sondern der Kalk zeigt sein ursprüngliches Primärgefüge. Das Grundwasser müßte auf den "edlen Flächen"; stärker gewirkt haben; aber gerade das ist es, was man der Hydrothermaltheorie nicht glaubt. Das Auftreten der Erze in mehreren stratigraphischen Schichten würde voraussetzen, daß sich die ungewöhnlichen Vorbedingungen zur Vererzung mehrfach wiederholt hätten.
Es hat keiner von den Anhängern der Hydrothermaltheorie behauptet, daß eine synsedimentäre Bildung von Pb-Zn-Lagerstätten an sich unmöglich sei. Kiesgehalte in den Raibler Schichten sind u. a. längst bekannt.
Bei möglichst objektiver Beurteilung erscheint es durchaus möglich, daß sich geringe Mengen von Pb-Zn-Erzen zusammenhängend mit dem initialen Magmatismus des Mesozoikums in gewissen Schichtengliedern gebildet haben können. HOLLER schätzt die Menge der Aufschlüsse, die nach dieser Bildungsart gedeutet werden können, auf etwa ein Zehntel der Erzmenge. Bei den reichen Auffahrungen in den betreffenden Gebieten ist es auch leicht möglich, daß dort ein sonst nicht bemerkbarer Erzgehalt gefunden wird. Auch kann der Kiesgehalt der Raibler Schichten ausfällend auf spätere epigenetische Pb-Zn-Vererzung wirken, wie ich solches schon seit zwei Jahrzehnten von Brixlegg her kenne. Aber auf diese Weise sind nicht die großen bauwürdigen Lagerstätten zu erklären, die neun Zehntel der Erzmasse ausmachen.
Die Anhänger der Sedimentations-Theorie haben auch noch keine Erklärung dafür geben können, warum die Pb-Zn-Lagerstätten in Nordtirol gerade dort auftreten, wo der Nordzug der GrauwackenVererzung von Semmering bis Schwaz unter die Kalkalpen untertaucht. Auch wurde noch nicht beantwortet, warum dort die Hauptmenge der Erze nur solange anhält, bis westlich am Arlberg die Vererzung wieder an Schubbahnen wirksam wird, wie die Lagerstättenkarte dieses Gebietes von MATTHIAS zeigt. Ebenso wenig wurde erklärt, warum im Süden ausgerechnet der Drauzug zwischen der Drau- und der Gailtallinie vererzt ist, und diese Vererzung nach SO im tektonisch und subsequent-magmatischen höchst aktiven Bereich anhält. Von diesen Abschnitten abgesehen, sind die Kalkalpen leer, ausgenommen tektonisch besonders bevorzugte Stellen wie etwa Raibl.
CANAVAL hat schon lange auf die Sonderstellung von den Bleierzen des Calesberges hingewiesen. Dieses Vorkommen und vielleicht einige andere fallen aus der alpidischen Vererzung heraus," und es wäre richtig gewesen, auf diese Sonderstellung und auf das dadurch bedingte Herausfallen aus der alpidischen Vererzung hinzuweisen, statt diese zu verneinen.
Am hiesigen Institut für Aufbereitung wurde im Vorjahr eine Diplomarbeit über die Kohle von Piberstein-Lankowitz durchgeführt. Der Schwermineralanteil der dortigen Sande im Hangend und Liegend enthält reichlich Magnetit, Cukies, Bleiglanz, Zinkblende, auch Zinnober. Würde man die Gepflogenheit der Sedimentaristen Übernehmen, so könnte man diese Sande als sedimentäre Eisenerze, als sedimentäre Kupfererze, aber auch als sedimentäre Pb-Zn-Erze ansprechen. Dies fällt aber keinem von uns ein. Ich erblicke im Gegenteil in diesen Mineralgehalten Hinweise darauf, daß dort vor dem Miozän Lagerstätten dieser Metalle (Fe, Cu, Pb, Zn, Hg) vorhanden waren, die abgetragen worden sind.
Es wird zusammenfassend also zugegeben, daß örtlich in gewissen Schichtgliedern des Mesozoikums (Raibler Schichten u.dgl.) sedimentäre Blei-Zinkerze vorhanden sein können, welche auf den Vulkanismus dieser Schichten beziehbar sind. Sollte es sich aus geologischen Gründen als nötig erweisen, anzunehmen, daß etwa in den großen südlichen Narben des Alpenbaues wesentliche Massen solcher Schichten "verschluckt" sein müßten, so könnte man sogar gelten lassen, daß die in diesen verschluckten Bereichen etwa vorhandenen Blei- und Zinkerze alpidisch mobilisiert und nach oben verlagert seien. Das würde dann etwa den "durchgepausten Lagerstätten, im Sinne SCHNEIDERHÖHNs entsprechen. Für die Hauptmenge dieser Metalle glaube ich, daß die epigenetische Entstehung im Sinne' der klassischen Vorstellungen den Beobachtungen besser gerecht wird.
(Nachschrift: Im Sinne einer Aussprache-Bemerkung von CLAR können sogar die sedimentär im Mesozoikum abgelagerten Vorkommen bzw. Anteile als Bildungen früher, vortektonischer Phasen der alpidischen Geosynklinale angesprochen werden, auf den initialen Magmatismus beziehbar.)
Die letzte Gruppe, welche wir betrachten wollen, sind die

5) Hg -Sb –Vorkommen.
 Zu dieser Gruppe ist zu bemerken, daß sowohl Hg-, wie auch Sb-Gehalte immer wieder auf den Fe-Cu-Lagerstätten auch des nördlichen Erzzuges auftreten. In der Krumpen und bei Schwaz wurde Hg eigens beschürft bzw. hüttenmännisch gewonnen. Im Drautal und in ganz Unterkärnten sind. Vorkommen dieser Art gehäuft. Dies kann mit dem Tonalit der Kreuzeckgruppe oder mit der Drautallinie oder wahrscheinlicher mit beiden zugleich erklärt werden als deren spätestes Gefolge. Sie bilden eine Brücke zu den Lagerstätten in den Dinariden.
Am Ostrand der Alpen sind Sb-Vorkommen ebenfalls bekannt; vor allem wird bei Schlaining noch darauf gebaut. Erzmikroskopische , Studien zeigten dort, daß neben dem vorherrschenden Antimonit auch As-Pyrit, As-Kies, Cu-Kies, Zinkblende und Zinnober vorhanden sind. Dieses Vorkommen schlägt die Brücke zu der Vererzung in den Kleinen Karpaten. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß im Zinnobervorkommen Glatschach bei Dellach die schönsten Bravoite (Ni-Pyrite) vorkommen, die ich kenne, viel reicher zonar als jene von Maubach bei Aachen.

Gesamtbild.
Wir haben damit einen Großteil unserer Vererzung in den alpidischen Zyklus einreihen können. Ein großer Teil fällt in den synbis spätorogenen Bereich, andere sind dem subsequenten zuzuordnen. Früher hatte ich diese Unterteilung in altalpidische und jung-alpidische vorgenommen.
(Nachschrift: In der Aussprache wies W. E. PETRASCHECK darauf hin, daß beispielsweise slowakische Lagerstätten als kretazisch eingestuft werden und daß dadurch zeitlich eine bedeutende Spanne bis zu den jüngsten vormiozänen Vererzungen vorhanden sei. Ich bemerkte dazu, daß auch von den synorogenen bis zu den nachtektonischen Ereignissen eine entsprechende Zeitspanne enthalten sei und daß darin kein Widerspruch liegt).
Es konnte kein Vorkommen aufgefunden werden, das dem finalen Magmatismus zuzuordnen wäre; dieser ist ja überall auf der Erde sehr arm an Lagerstätten. Dem initialen Magmatismus können, wie ich ausgeführt habe, die Ni-Magnetkies-Vorkommen in den Serpentinen und gewisse Vorphasen in den Grüngesteinen der alpinen Kieslager zugeteilt werden.
Die STILLE'sche Gliederung der Abfolgen bewährt sich auch hier in den Alpen bestens. Es konnte gezeigt werden, daß die meisten der alpinen Lagerstätten dem alpidischen Zyklus zuordenbar sind, einige auch dem variskischen, und wenige noch älteren Gebirgsbildungen entsprechen. Der alpidische Ablauf hat neben etlichen Anteilen des initialen Magmatismus solche des synorogenen bis spätorogenen und auch des subsequenten Magmatismus erkennen lassen. Stillschweigend vorausgesetzt wurde dabei, daß unter "Magmatismus" auch "Kristallisationshöfe" einbezogen wurden, die in vielen Fällen gleich wirken, wie Kerne magmatischer Gesteine. Das ermöglicht es, pseudomagmatische Erscheinungen auch dort anzunehmen, wo die entsprechenden Erstarrungsgesteine nicht vorhanden oder nicht aufgeschlossen sind, wohl aber entsprechende Höfe der Metamorphose erkennbar sind. Damit ist einerseits ein Einwand SCHWINNERs gegen "hypothetischen Überpluton“ berücksichtigt, andererseits lassen sich damit viele Eigenheiten der alpidischen Vererzung erklären. Unter diesen wird der Magnesiareichtum der Vererzung (Magnesit und Talk, Breunnerit, Pistomesit, Chlorit usw.) verständlich, ebenso die Gehalte an anderen "basischen" Elementen, wie Cr, Ti, aber auch Ni und Co, ebenso der häufige Gehalt an Apatit. Auch die starke Verzettelung des Metallinhaltes auf so viele kleine und kleinste Vorkommen hängt damit zusammen.
Andererseits ist es verständlich, daß das, was sich bei einer "normalen" Erstarrung eines Magmas zuletzt bildet, die Äußerungen des Gefolges der Restschmelzen (Pegmatite) und Restlösungen (hydrothermale Abfolgen), auch wieder zuerst mobilisiert wird (Venite, Alkalifronten, pseudohydrothermale Bildungen) und daß diese selbst dort vorhanden sein können, wo es gar nicht bis zum Endzustand der Metamorphose, also Granitisation selbst, gekommen ist, wo also gar keine palingenen Granite oder Aufschmelzungen vorhanden sein müssen. An sich geht auch diese Tatsache aus den Anschauungen hervor, die E. CLAR 1953 umfassend formuliert hatte. Ebenso sind dadurch die Zusammenhänge zwischen Erzlagerstätten und alpinen Mineralklüften verständlich, die die letzten, kühlen pseudohydrothermalen Bildungen darstellen, weitgehend abgewandelt durch Nebengesteinseinflüsse.
Manche heute nur geahnte Zusammenhänge von Erz- und Mineralbildungen und ihren Magmenverwandschaften werden sich bestimmter klären lassen, wenn wir wieder in Südtirol arbeiten können. Denn dort sind zahlreiche magmatische Erscheinungen mit altersmäßig festgelegten Schichten verbunden; dadurch werden diese Vorgänge altersmäßig festlegbar.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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