Niedermayr G., Brandstätter F. & F. Hammer / 1994

 

938. Eine bisher unbekannte Kupfervererzung mit Fahlerz und Sphalerit sowie Aragonit, Aurichalcit, Azurit, Dolomit, Malachit und Quarz aus altpaläozoischen Karbonatgesteinen unterhalb der Egger Alm bei Möderndorf im Gailtal, Kärnten.

  Die nun schon traditionelle Exkursion im Anschluß an die Frühjahrstagung der Fachgruppe für Mineralogie und Geologie des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten ermöglichte den Teilnehmern im Vorjahr nicht nur das Kennenlernen der ehemaligen Abbaue auf dem Poludnig und im Gebiet der Unterbuchacher Alm in den Karnischen Alpen, sondern machte auch mit einer bis dahin in der Literatur nicht aufscheinenden kleinen Kupfervererzung im Bereich des Eberdorfer Berges unterhalb der Egger Alm bei Möderndorf bekannt. In dunkelgrauen, mehr oder weniger gebankten, altpaläozoischen Karbonatgesteinen, die nach der Geologischen Karte (Blatt 199 Hermagor, 1:50.000, Geologische Bundesanstalt in Wien) zum silurischen bis devonischen Ederkalk zu stellen sind, fand Herr Helmut PRASNIK, St. Magdalen, einen alten Stollen, der offenbar auf eine an Derbquarzgänge gebundene, sulfidische Vererzung angelegt worden ist; über das Alter des Bergbauversuches ist derzeit nichts bekannt. Möglicherweise handelt es sich dabei aber um einen jener kurzlebigen Schürfe durch den Gewerken Josef von FINDENIGG und STOCKERS-HEIM ,,1780 auf der Eggeralm", den WIESSNER (1951) erwähnt. Der Schurf scheint in der Lagerstättenkarte von FRIEDRICH (1953) jedenfalls nicht auf. Ein dunkelgrauer, von hellen Karbonatgängen durchzogener Dolomit wird von Derbquarzgängen durchschlagen. In offenen Kavernen dieser Gänge sind bis 2 cm dicke, trübweiße, teils aber auch bläulichgrüne, parallel-feinfaserig aufgebaute Aragonitsinter zur Ausbildung gekommen. Grobblockig-kristalline Partien im tieferen Teil der Sinterlagen stellten sich dagegen als Calcit heraus. Im derben Quarz sind regellos verteilte Fahlerzputzen eingesprengt. Kristallisiertes Fahlerz war in dem uns vorliegenden Untersuchungsmaterial nicht zu beobachten. Gelbbraune, mit Fahlerz z. T. zusammen vorkommende, harzglänzende Partien wurden als Sphalerit bestimmt. Das Fahlerz, dessen Chemismus mittels wellenlängendispersiver Mikrosondenanalyse (in der Folge mit EMS-Analyse bezeichnet) bestimmt wurde, ist ein Mischfahlerz mit einem molaren Verhältnis Tetraedrit/Tennantit von ca. 1.1. Bemerkenswert ist der relativ geringe, jedoch signifikante Gehalt von Ag und Hg (Tabelle 2). Auf Kluftflächen und in kleinen Kavernen des Derbquarzes kommt es zur Bildung dünnster Azurit-und Malachitbeläge, z. T. auch von Rasen kleiner, gut ausgebildeter Azuritkriställchen. Azurit bildet in Hohlräumen gelegentlich auch dunkelblaue Wärzchen. Die Sphalerit-und Fahlerzpartien sind häufig von einem charakteristisch gelbgrün gefärbten Belag umkrustet, der vermutlich zum Bindheimit zu stellen ist, was bisher röntgenographisch aber nicht zu verifizieren war.

Cu          39,4

Fe            1,9

Zn            6,2

Ag*          0,1

Hg*          0,2

As            8,6

Sb          14,9

Bi               -

S            26,8

Summe    98,1 *

Mittel aus je 6 Messungen

Tabelle 2: EMS-Analyse des Fahlerzes von der Egger Alm bei Möderndorf, Kärnten (in Gew.-%; Mittel von 2 Analysen).

An weiteren Mineralphasen, die nur im Erzanschliff bzw. mittels EDS-Analyse nachzuweisen waren, sind Apatit (eingewachsen in Dolomit), Cinnabarit, Ag2S (Akanthit?) und Cuprit zu nennen. Es ist zu erwarten, daß die genauere Durcharbeitung des bisher aufgesammelten Materials noch weitere Mineralnachweise ermöglichen wird. Darüber hinaus wäre es sicher lohnend, das gegenständliche Gebiet auf weitere Vererzungen bzw. auf weitere Bergbauspuren abzusuchen.

(NIEDERMAYR, BRANDSTÄTTER, HAMMER)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

zurück....